Große Gefahr von Blitzeis durch Temperaturanstieg

Der Automobilclub von Deutschland warnt dringend vor der Gefahr von Blitzeis, das durch das sekundenschnelle Entstehen nicht voraussehbar ist und bei nicht besonnener Fahrweise zu gefährlichen Unfällen führen kann.

„AvD: Blitzeis verwandelt Straßen in gefährliche Rutschbahnen

Bei winterlichen Straßenverhältnissen ist die Unfallgefahr besonders groß.

• Defensive und vorausschauende Fahrweise ist die beste Unfallprävention
• Außentemperatur-Anzeige wichtiges „Trendbarometer“
• Assistenzsysteme wie ABS oder ESP können nur bedingt unterstützen

Der mit einem Temperaturanstieg verbundene Wetterumschwung und zu erwartende Regenfälle können in dieser Woche Straßen sekundenschnell in gefährliche Eisbahnen verwandeln und die derzeit ohnehin schon angespannte Verkehrssituation noch einmal verschärfen. Besonders tückisch ist sogenanntes ‚Blitzeis‘. Davon spricht man, wenn Regentropfen beim Auftreffen auf noch frostigen Boden sofort gefrieren und die Fahrbahn in eine reine Eisfläche verwandeln. Bei solchen Bedingungen hilft meistens nur, das Fahrzeug stehen zu lassen und das Eintreffen der Streudienste abzuwarten. Selbst Winterreifen sind mit purem Eis meist überfordert.

Winter_Stau_AvD

Bei den derzeitigen winterlichen Bedingungen empfiehlt der Automobilclub von Deutschland (AvD) den Autofahrern, entsprechend vorsichtig, langsam und vorausschauend zu fahren. Letztgenannter Aspekt heißt auch, die Warnsignale wie etwa die der Außentemperaturanzeige rechtzeitig zu beachten und die Information auch schon beim Losfahren in die bevorstehende Wegstrecke „einzuarbeiten“. Der allmorgendliche Weg zur Arbeit ist bestens bekannt, und somit auch das Streckenprofil. Steht etwa eine Überlandfahrt an, stellt sich die Frage nach etwaigen Höhenunterschieden, gibt es Brückenüberquerungen, führt die Fahrt durch Waldstrecken mit Schneisen oder über bewaldungsfreie, eisigen Winden ausgesetzte Erhebungen etc – dies alles sind Wegabschnitte, auf denen die Temperaturen schnell unter Null Grad fallen und Glatteis auftreten kann, selbst wenn man zu Hause noch mit einer Anzeige im Plus-Bereich gestartet ist. Wachsamkeit und Planung heißt die Devise. Wer sich allein auf die Anzeige und deren jeweils aktuelle Kontrolle verlässt, der sei auch an die gewisse „Trägheit“ des Anzeige-Instruments erinnert. Zeigt dieses etwa nur noch drei Grad an, was in der Regel bei den meisten Autofabrikaten zusätzlich mit einem kurzen Warnton einhergeht, kann es – je nach geplanter Wegstrecke – kritisch werden.

Auf Brücken vereist Asphalt schneller

Wenn auf der Straße vorhandenes Wasser z.B. in Spurrillen oder Pfützen gefriert, nennt man dies – im Gegensatz zum oben beschriebenen ‚Blitzeis‘ – ‚überfrierende Nässe‘. Gefährlich ist auch sogenannte ‚Reif- oder Kondensationsglätte‘, wenn in der Luft vorhandener Wasserdampf kondensiert und anfriert. Das passiert besonders häufig auf Brücken, wenn die Temperatur der Straßenoberfläche unter den Gefrierpunkt sinkt, die Luft aber noch wärmer ist. Deshalb begrüßt der AvD das Pilotprojekt auf der Brücke über den Elbe-Lübeck-Kanal. Dort wird momentan ein von der Universität der Bundeswehr in München entwickeltes Geothermie-System zur Erwärmung der Fahrbahn installiert. In die Asphaltdecke der Brücke werden Kunststoffrohre integriert, durch die warmes Grundwasser (aus 80 Meter Tiefe) gepumpt wird. So kann Glättebildung verhindert werden. Wünschenswert wäre aus Sicht des AvD, nun nach und nach mehr Brücken – insbesondere stark befahrene – mit diesem System auszurüsten, um das Unfallrisiko zu reduzieren und so die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Auf Nebenstrecken ist es nachts besonders gefährlich

Doch nicht nur auf Brücken, auch auf Schneematsch besteht erhöhte Rutschgefahr. Das wichtigste in solchen Situationen ist, das Tempo zu drosseln und ausreichend Abstand zum Vordermann zu halten. Der AvD empfiehlt zudem, möglichst „gefühlvoll“ zu fahren. Ruckartige Lenkbewegungen gilt es ebenso zu vermeiden, wie stark zu beschleunigen oder plötzlich und heftig zu bremsen. Sonst gerät das Auto eher ins Schleudern. Schleudert der Wagen bereits, sollte man die Kupplung treten, damit die Kraftübertragung vom Motor auf die Reifen unterbrochen wird. Besonders gefährlich sind im Winter Nachtfahrten, da vor allem die Nebenstraßen nur selten geräumt oder gestreut sind. Der AvD weist darauf hin, dass das Landgericht Coburg erst kürzlich entschieden hat, dass den Behörden nicht zumutbar ist, rund um die Uhr einen Winterdienst einzurichten. Der von einem Verunfallten verklagte Freistaat Bayern sei nicht verpflichtet, nachts ständig Straßen zu räumen (Az.12 0. 241/09). Bei starkem Schneefall, Schneeverwehungen oder Glatteis rät der AvD deshalb, genau abzuwägen welche Fahrten unbedingt nötig sind. Gegebenenfalls sollte man das Auto stehen lassen, beziehungsweise ungeräumte Streckenabschnitte meiden.

Auch Assistenzsysteme wie ABS oder ESP sind auf Eis und Schnee kein Allheilmittel. Der AvD warnt davor, sich ausschließlich auf die elektronischen Helfer zu verlassen. Denn die Physik lässt sich nicht überlisten. Gerät man beispielsweise mit überhöhter Geschwindigkeit und Sommerreifen auf Glatteis, versagt selbst das beste High-Tech-Sicherheitssystem. Ein umsichtiger, vorausschauender und defensiver Fahrstil ist bei schwierigen Witterungsverhältnissen nach wie vor die beste Unfallprävention.“

Quelle Pressemitteilung und Foto : AvD